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Förderin der Kontakte zum Kaiserstuhl


Die Tovarer Hotelbetreiberin Maria Othmer ist im Alter von 86 Jahren gestorben

Ruth Seitz

ENDINGEN/TOVAR. Sie hat die Beziehungen und Freundschaften zwischen den Menschen aus Tovar und dem Kaiserstuhl mit großem Engagement und mit großer Herzlichkeit gefördert, hat Besucher von hier in Tovar in ihrem Hotel „Freiburg“ beherbergt und bewirtet - nun ist Maria Othmer in Tovar im Alter von 86 Jahren gestorben. Mit ihren fünf Kindern und ihrer ganzen Familie trauern auch alle Menschen aus der Region, die sie gekannt haben. Denn Maria Othmer ist im Lauf der Jahre für viele zu einer guten Freundin und Bekannten gewor-den, die sie fast jedes Jahr besucht hat. Und Maria Othmer war es auch, die die Beziehungen zwischen Tovar und der Region vor vielen Jahren ins Laufen gebracht hat.
Der Lebensweg Maria Othmers war kein gewöhnlicher. Nach dem Krieg wanderte die gebürtige Schlesierin nach Venezuela aus, auf der Suche nach einer neuen Heimat. In Tovar ließ sie sich schließlich nieder, zunächst als Pächterin des Hotels „Selva Negra“, später baute sie mit ihrem Mann das Hotel „Freiburg“ auf und machte es zu einer Topadresse in Venezuela. Und sie lernte dort natürlich auch die Nachfahren der ersten Auswanderer aus der Region kennen. Zu Beginn der 60er Jahre griff Maria Othmer zu Stift und Papier und schrieb alle Bürgermeister der Region an und erhielt Antwort von einem einzigen Bürgermeister aus der Region: von Johann Haberstroh aus Forchheim. Der konnte das Anliegen Maria Othmers auf Anhieb verstehen, denn die Forchheimer Lehrerin Hedwig Binder hatte sich im Zuge ihrer Ausbildung mit dem Thema Auswanderung befasst und natürlich spielten auch die Auswanderer nach Tovar eine Rolle.
Schließlich besuchte Maria Othmer - inzwischen rührige Hotelbesitzerin - kurze Zeit später mit zwei jungen Frauen den Kaiserstuhl - unter anderem, um ihnen die hiesige Arbeitswelt zu zeigen. Von dieser Zeit an war Maria Othmer regelmäßig zu Gast am Kaiserstuhl, erinnert sich Helmut Eitenbenz. Ihre große Liebe galt aber auch der Stadt Freiburg. Weihnachts- und Neujahrsgrüße mit Fotos, die sie von der Stadtverwaltung erhielt, präsentierte sie mit Stolz und Freude in ihrem Hotel in Tovar.
Ihre Zuneigung zu der hiesigen Region drückte sie aber auch noch anders aus: Ihre Zimmer im Hotel hat sie nach den Kaiserstühler Orten benannt, aus denen die ersten Einwanderer kamen: Endingen, Wasenweiler...
Maria Othmer war auch in der Tovarer Jokiligruppe sehr aktiv und sie verstand es vor allen Dingen, auch die jungen Nachfahren der Auswanderer für die Beziehungen zu den Menschen am Kaiserstuhl zu begeistern. Aber nicht nur
ideell, auch finanziell hat Maria Othmer den Weg für viele Begegnungen unterstützt und ermöglicht.
Zuhause in Tovar war sie die Gastgeberin. Bernd Meyer erinnert sich gerne an die Aufenthalte mit der Stadtmusik im Hotel „Freiburg“. Stets habe es im Hause Othmer geheißen: „Bedient euch.“ Und der Koch aus Jechtingen, der einige Zeit dort gearbeitet habe, habe sie noch lange nach Lokalschluss mit Wurstsalat oder Schnitzeln versorgt.
Nun ist Maria Othmer gestorben und viele Menschen werden sie nicht nur als Förderin der Menschen zwischen Tovar und der Region in Erinnerung behalten, sondern auch als gute und treue Freundin, die so gut wie nie einen Geburtstag vergaß. Wie rege und intensiv ihre Kontakte zu den Menschen von hier waren, beweist das Fotoalbum von Bernhard Weinmann aus Forchheim. Es enthält nicht nur Bilder von den ersten Aufenthalten Maria Othmers am Kaiserstuhl, sondern auch viele, viele Briefe, die sie auf Luftpostpapier an Familie Weinmann geschrieben hat. Auch ihr Sohn Claus ist in Endingen übrigens kein Unbekannter. Er hat in Endingen eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker absolviert.

Quelle: Badische Zeitung vom 14. Juli 2009