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Karl Moritz (1796 - 1866)

Karl Moritz * 16.12.1796 in Klein-Sautersleben bei Magdeburg, + 26.6.1866 in Tovar

Prof. Dr. Conrad Koch (verfasst 1994)

Nach einem Studium der Theologie wandte sich Moritz 1825 den Naturwissenschaften zu. Danach war er Privatlehrer auf dem Gut des Grafen von Bredow in Wagenitz. Im Jahr 1833 unternahm er für Museen botanische Sammelreisen in den Antillen. Hier lernte er den temporär im Ausland befindlichen späteren venezolanischen Staatspräsidenten Dr. Vargas kennen, und begleitete ihn, als dieser im September 1835 nach Venezuela zurückreiste. Es folgten Reisen in fast ganz Venezuela, bei denen er auch, zusammen mit dem Maler Ferdinand Bellermann, nach Tovar kam. In Moritz reifte der Entschluss, wegen des hervorragenden Klimas und wegen der üppigen Vegetation in Tovar seinen festen Wohnsitz zu nehmen. In einem am 15.1.1844 in Caracas an Benitz gerichteten Brief schrieb er: „... Sie kennen meinen früheren Wunsch, mich ebenfalls auf dem Territorium der Colonie anzusiedeln. Alle Umstände scheinen sich zu vereinigen, mir gerade dieses Etablissement, als das meinen Absichten und Wünschen entsprechenste darzustellen. Diese günstigen Umstände wären: Das kühlere Klima, gleich vorteilhaft für Europäische Gewächse, wie eine kleine Pflanzenschule interessanter und neuer hiesiger Pflanzen, welche eben hauptsächlich Gebirgspflanzen sind; die Nähe von Männern die ich schätzen gelernt, die ein gleiches Interesse mit mir in Kulturversuchen haben und mit denen ich meine Erfahrungen und Ansichten austauschen könnte, wodurch vielleicht beide Theile gewinnen würden. Gerade die Einführung der Europäischen Garten- und Feldfrüchte war ja der Hauptzweck meiner zweyten Reise und beabsichtigten Ansiedlung in Venezuela. Deshalb brachte ich damals Samen von allen solchen Gewächsen mit und ließ mir eine zweyte Sendung davon kürzlich nachschicken, um die etwa durch die Länge der Aufbewahrung im tropischen zerstörenden Klima abgestorbenen Sämereyen dadurch teilweise zu ersetzen.“
Der Botaniker Moritz hatte zu dieser Zeit etwa 1000 Pfund an Ersparnissen, über die er berichtete und die er einzubringen gedachte. „Mein nächstes Augenmerk war damals natürlich die Nähe von Caracas. Allein ich habe einsehen gelernt, dass schon ein beschränktes Kapital nicht ausreicht, um ohne Schulden (die hier zu Lande eine Thorheit für mich seyn würden) in der Nähe von Caracas ein passendes Stück Land zu exquisieren, indem die Preise der Grundstücke viel zu hoch sind und auch selten für meine Zwecke geeignet. Da hone ich von der Colonie Tovar und von deren Gedeihen und es war natürlich, daß ich nun meine Blicke dorthin richtete und mit dieser Absicht die Reise dahin unternahm. .....daß ich, - wenn auch die Ländereyen in nächster Umgebung des Dorfes
bereits verfügt wären, - wenigstens in der Nähe mir einen Platz mit einem kleinen Theil Fläche auswählen und zu meinem Etablißement einrichten könne....“
(Archiv der Stiftung,
Doku No 1844012306011)
Die Pläne von einem derart interessierten Botaniker entsprachen durchaus den Vorstellungen von Codazzi und Benitz und dem Wohle der Siedlung. Deshalb erhielt Karl Moritz in unmittelbarer Nähe des Dorfzentrums einen Bau- und Pflanzplatz. Heute steht dort die „Cafeteria Moritz.“ Bis zu seinem Tod forschte der Botaniker Moritz in Tovar. Als es jahrzehntelang keinen deutschsprachigen Pfarrer in Tovar gab, übernahm er den Gottesdienst in der Kirche. Der protestantische Theologe las aus der Lutherbibel vor und es wurde auch der Rosenkranz in seinen Gottesdiensten gebetet. Moritz war sehr beliebt und konnte den Ackerbauern in vieler Hinsicht mit seinem Fachwissen helfen. Er legte in Tovar einen botanischen Garten an und verschickte seine Pflanzensammlungen an das Botanische Museum in Berlin, sowie an das Britische Museum, an das Wiener Hofmuseum, an die Leningrader Akademie der Wissenschaften und an die Universitäten Leipzig und Kiel.
Karl Moritz starb im Juni 1866 in der Colonia Tovar und hinterliess als Ergebnis seiner jahrzehntelangen Forschungsarbeiten eine umfangreiche Dokumentation der Besonderheiten der Flora im Tal, das seine Heimat geworden war. *)
*) Carl Moritz, Vegetation der Urwälder um die Colonia Tovar, Bot. Zeitg. IV - 1846