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Jean Jules Linden (1817 - 1898)

Jean Jules Linden * 2. 1. 1817 in Luxemburg, + am 12. Januar 1898 in Brüssel.

Prof. Dr. Conrad Koch (verfasst 1994)

Schon in jungen Jahren hatte er die belgische Nationalität erworben und begann in Brüssel eine Universitätsausbildung in Naturwissenschaften. Mit besonderer Hingabe richtete sich sein Interesse neben den Fächern Geographie und Geologie auf das Studium der Pflanzenkunde. Es folgten 1835-1837 botanische Studienreisen in Brasilien. Weitere Reisen führten ihn nach Cuba, Mexico und nach Guatemala.(1837 - 1841). Linden hatte sich schon als junger Wissenschaftler ein so gutes Renomme erworben, dass ihn Alexander von Humboldt in Paris empfing und mit ihm die bevorstehende dritte Reise besprach. Hier lernte er auch Codazzi kennen, der in Paris mit Alexander Benitz den ersten Atlas von Venezuela fertig stellte. Sowohl die Gespräche mit
Humboldt als auch die detaillierten Angaben vom Geographen Codazzi vermittelten dem erstmals nach Venezuela reisenden Linden, wie er selbst schrieb, wertvollste Informationen über die Gegenden, die er besuchen wollte. Vom Hafen La Guaira führte ihn sein Weg zunächst nach Caracas und später auch durch das fruchtbare Araguatal, wo er in La Victoria wiederum mit Codazzi zusammentraf. Dieser hatte ihn schon mehrfach zu einem Besuch in die soeben gegründete Siedlung Tovar eingeladen und hierbei Linden auf die einmalige Vegetation des Tuytales hingewiesen, das seiner Meinung nach von den schönsten Urwäldern der ganzen Provinz umgeben wäre. Jean Jules Linden war der erste europäische Wissenschaftler, der die gerade im Enstehen begriffene Siedlung Tovar besuchte. Er beschreibt die beiden „Chosas“ die Ramon Diaz für die ankommenden Siedlerfamilien hat errichten lassen und auch eine Hütte, die Ramon Diaz für seinen Aufenthalt in Tovar vorbereitet hatte. An ihr fiel ihm besonders der etwa einen Meter über dem Erdboden angebrachte, aus Palmwedeln äußerst kompakt geflochtene Zwischenboden auf.
In den wirklich begeisternden Wäldern, die Tovar umsäumten, hat Linden viele neue Baum- und Pflanzenarten entdecken können. Von den Pflanzen war wohl eine weiße Orchideenart die Schönste, die den Namen „Masdevalia tovarensis“ erhielt. Von dem eigentlichen, inmitten der reichen Vegetation des Tuytales gelegenen Siedlungsplatz schwärmte Linden: „Der Geniestreich eines Meisterauges hat die Auswahl des Geländes der Colonia getroffen. In einer Höhenlage von 5000 fuss über dem Niveau des Meeres, eine der angenehmsten Temperaturen geniessend mit fast kühlen Nächten, werden diese Voraussetzungen der Kolonie den europäischen Siedlern ein gesundes und freundliches Klima garantieren. ...“
Eigentlich wollte er einige Wochen in Tovar seinen botanischen Forschungen nachgehen, aber er hatte Schwierigkeiten, seine Maultiere zu versorgen, und die herannahende Regenzeit gefährdete seine umfangreiche und wertvolle Pflanzensammlung, die er möglichst umgehend nach Europa auf den Weg bringen musste. Deshalb kehrte er schon frühzeitig wieder nach Caracas zurück. Nachdem er Nueva Granada (Kolumbien) bereist hatte, besuchte er ein zweites mal die alemannische Siedlung Tovar, wobei er aus dem Staunen nicht mehr herauskam, als er den Fortschritt sah, den die Siedlung genommen hatte: „... ich erwähne, dass ich 18 Monate nach meiner Ankunft aus Nueva Granada, eine zweite Reise zur Colonia unternommen habe und mit großem Erstaunen feststellte, welche Veränderungen sich in so kurzer Zeit vollzogen hatten. Anstatt der Wildnis, vor kurzem noch von Tigern und Dantas durchstreift, beobachtete ich jetzt das lebendige Bild einer europäischen Kultur. Eine schöne deutsche Siedlung, umzäumt von Weizen-, Mais-, Kartoffelfeldern und Gemüseanbau aus Europa, wuchs empor aus dem Tal, in dein vor kurzem noch hundertjährige Bäume durch Feuer gerodet wurden. Kinder mit roten Bäckchen spielten in der Nähe der Häuser, während die Siedlerfrauen ihre Wäsche in dem nahen Fluss wuschen. Zwei Jahre vorher hätte nicht einmal der mutigste Jäger gewagt, alleine in diese Gegend vorzudringen. Die erschreckende Stille, die früher hier herrschte, ist dem lauten Treiben unermüdlicher europäischer Siedler gewichen, die sogar die gefürchtetsten wilden Tiere in den nahegelegenen Urwald vertrieben, die dort an schwer zugänglichen Stellen Zuflucht zu suchen. ...“ *)

*) LINDEN,“ Viaje a Venezuela en las Provincias de Caracas, de Carabobo, de Barquisemcto, de Trujillo, y de Merida.“ - ( Traduccion del frances por Eduarde Röhl.)